Mit Hilfe dieser Anleitung können Sie sich als Anfänger mit den Grundschritten zum Verzieren eines Ostereies vertraut machen und als Fortgeschrittener die Anwendungsweise der Schablonen betrachten. Obwohl wir versuchen die Herstellung des Eies so genau wie möglich zu beschreiben, kann es natürlich sein, dass bestimmte Zwischenschritte unklar sind. Bitte informieren Sie uns in diesem Fall, so dass wir diese Seite entsprechend anpassen können.

Nun geht es aber los:

Benötigte Materialien:

  • Zirkel mit frei einstellbarer Nadelausrichtung und zusätzlichem Gelenk auf der Minenseite
  • ein breiterer Gummi
  • mittelharter Bleistift
  • Radiergummi für Notfälle
  • Schablonen zur Einteilung des Eies (siehe Tipps & Tricks)
  • Kreis- und Oval-Schablonen zum Vorzeichnen des Musters
Material

 

Wir gehen an dieser Stelle von einem fertig ausgepusteten, gereinigten und getrockneten Ei aus, da dies unter dem Punkt "Vorbereitung" bereits ausführlich beschrieben ist.

1) Im ersten Schritt geht es nun darum, die "Äquatorlinie" möglichst genau mittig und gerade zu plazieren. Voraussetzung dafür ist ein gut plaziertes Loch an der Spitze des Eies. Nachdem der Gummi enstprechend der Abbildung über das Ei gelegt wurde, kann mit dem Zirkel durch den Gummi in das Loch gestochen werden (AB1 rechter Pfeil). Ist dieser etwas transparent, kann man das Ei gegen das Licht halten, um das durchscheinende Loch besser zu erkennen. Um ein Ausbrechen der Lochkanten zu vermeiden ist es dabei notwendig, die Zirkelnadel wie auf dem Bild etwas zu drehen (ca. 45°) und das Gelenk (siehe Materialbild) ebenfalls etwa 45° zu knicken.
2) Nun kommt es auf etwas Augenmaß an. Der Zirkel wird so breit eingestellt, dass die Mine sich in der Mitte des Eies befindet (AB1 linker Pfeil), wo man eine kleine und dünne Markierung setzt. Das Ei (Nadel im Loch lassen) 180° drehen und an der gegenüberliegenden Seite ebenfalls eine Markierung hinterlassen.
3) Jetzt der Test! Nadel rausziehen und auf Höhe der Markierung leicht auf den Gummi drücken (AB2 Pfeil). Ohne die eingestellte Breite des Zirkels zu verändern, zieht man einen kleinen Strich auf der unteren Seite des Eies und dasselbe nochmal von der Markierung auf der anderen Seite des Eies aus. Das Augenmaß war richtig, wenn sich die Linien am unteren Ende treffen oder zumindest fast zusammen sind (AB3). Sind die Striche noch zu weit auseinander, den Zirkel etwas breiter (bei einem Zentimeter Abstand etwa 2-3 Millimeter) einstellen und die Schritte wiederholen. Überlagern sie sich, den Zirkel etwas enger stellen.


AB 1 AB2AB3

Jetzt NICHT die Zirkelbreite ändern! Wieder oben durch den Gummi in das Loch einstechen (Ab4, roter Pfeil) und von der Markierung ausgehend eine Linie um das Ei ziehen. Dabei darauf achten, dass dabei nur leicht aufgedrückt wird, da sich sonst der Gummi an der Einstichstelle verschiebt und damit die Linie schief wird. AB4

Immer noch NICHT die Zirkelbreite ändern! Zunächst den Gummi vom Ei ziehen und die Linie grob begutachten. Ist sie deutlich schief, könnte es sein, dass das Loch nicht mittig ist, oder der Gummi ist doch verrutscht. Davon ausgegangen, dass es gut aussieht, wird jetzt der untere Pol festgelegt (den oberen bestimmt ja das Loch). Die Zirkelspitze leicht auf die Äquatorlinie aufsetzen und mit dem Daumen gegen Verrutschen sichern (AB5, roter Pfeil). Am unteren Pol einen kurzen Strich ziehen (AB5, blauer Pfeil). Dasselbe nach jeweils 90° Drehung wiederholen, bis insgesamt vier Linien gezogen wurden. Wenn es so aussieht wie in Ab6, ist die Äquatorebene perfekt in der Mitte des Eies plaziert. Je nach verwendeten Mustern sind auch kleinere Abweichungen völlig in Ordnung.


AB5AB6

Im nun folgenden Schritt wird die Äquatorebene zur Einteilung des Eies genutzt. Für das Folgende Muster ist eine Einteilung in vier gleich große Bereiche notwendig. Dazu verwenden wir seit einigen Jahren die hier zum Download angebotenen Einteilungsschablonen. Dieses Ei passt genau in die 4,4-Zentimeter-Öffnung, so dass die Äquatorlinie sich kurz über der Schablone befindet. Nun ganz einfach bei den roten Linien eine Markierung an der Äquatorlinie angebracht und fertig ist die gesamte Grundeinteilung des Eies. Mit ein bisschen Erfahrung dauert die Prozedur bis hierher ca. zwei bis drei Minuten und dient als Grundlage für die meisten Muster.
AB7
Nun kann mit dem Auftragen des Musters begonnen werden. Für das hier vorgestellte Muster wird zusätzlich senkrecht zur Äquatorlinie eine weitere Linie gezogen, die genau über die beiden Pole (AB8, linker und rechter Pfeil) und zwei gegenüberliegende Markierungen an der Mittellienie (AB8, mittlerer Pfeil) läuft. Dazu wird der zum Anfang benutzte Gummi wie in der Abbildung über das Ei gespannt und liegt mit einer Seite an den genannten Markierungen an (AB8, Pfeilspitzen). Mit dem Daumennagel wird der Gummi solange korrigiert, bis er wirklich gerade liegt. Abschließend eine Bleistiftlinie (AB8, blauer Pfeil) am Gummi entlang um das Ei ziehen und das Ergebnis sollte in etwa wie in der AB9 aussehen. Für ihre ersten Eier ist es ratsam, dieselbe Prozedur auch mit der anderen Markierung durchzuführen. Mit ein bisschen Übung werden Sie auch ohne diese Hilfslinien die Schablonen anwenden können.
AB8AB9

Nun kommen die Kreisschablonen zum Einsatz. Der Vorteil der relativ dünnen und flexiblen Vorlagen liegt darin, dass man sie auch mit einer Hand eng an das Ei anschmiegen kann, und so keine Lücken zwischen Schablonen und Ei entstehen. Für dieses Muster wird zuerst der kleinste Kreis (1,5 cm) verwendet. Auf Grund der umfangreichen Vorarbeiten können die Markierungen auf der Schablone einfach über das Kreuz der waagerechten und senkrechten Linie gelegt (AB10, rote Pfeile) und mit dem Bleistift der Kreis nachgezogen werden. Die zweite Lochschablone (2,5 cm) wird auf der senkrechten Linie (AB11, rote Pfeile) Richtung Eispitze verschoben (Eispitze liegt bei AB10 und 11 rechts) bis der untere Rand bündig mit dem zuvor gezeichneten Kreis ist (AB11, linker Pfeil). Die nun gezeichnete Linie beginnt und endet an der Äquatorlinie. Nun die Schablone in Richtung des stumpfen Endes verschoben bis die Kreisschablone an der rechten Seite des kleinen Kreises anliegt und das Muster vervollständigen. Es sollte nun wie in AB12 aussehen. Dieselbe Prozedur wiederholt sich noch einmal an der gegenüberliegenden Seite des Eies, so dass das zentrale Motiv symmetrisch vorliegt.


AB10AB11 AB12

Neben dem zentralen Motiv, findet man bei sorbischen Eiern häufig eine Art Band, die das Ei umgeben. Viele Künstler haben sich in dieser Richtung etwas spezialisiert und verwenden wiederkehrende Muster, die eine Zuordnung zum Künstler zulassen. Ein von uns gern verwendetes Band ist im folgenden Verlauf beschrieben.

An den Schnittstellen einer senkrecht umlaufenden Linie befinden sich jetzt die zentralen Motive, die andere Linie ist noch "frei". Wiederum von der Schnittstelle mit der Äquatorlinie ausgehend wird die zwei Zentimeter Kreisschablone passend auf die Linien aufgelegt (AB13, rote Pfeile) und der Kreis nachgezeichnet. Dann die Schablone um einen halben Kreis auf der senkrechten Linie Richtung Eispitze verschieben und den 2/3- Kreis (AB14, blauer Pfeil) nachziehen. Dieses Verschieben wiederholt sich, bis die Spitze erreicht ist, wobei bei den letzten Kreisen mit etwas Augenmaß etwas mehr oder weniger verschoben wird, damit man am Ende auch wirklich bei der Spitze landet (vergleiche AB17). Dasselbe Muster auf der unteren Eihälfte wiederholen und der Symmetrie folgend auch auf der gegenüberliegenden Seite und die Vorzeichnung ist beendet.


AB13AB14AB15

Das fertige Band umgibt nun das zentrale Motiv und läuft um das gesamte Ei, wobei im Idealfall die Kreise am spitzen und stumpfen Ende des Eies genau aufeinandertreffen. Mit der Fertigstellung der Vorzeichnung möchten wir den ersten Teil der Schritt für Schritt-Anleitung beenden. Das Ei kann jetzt wie in den entsprechenden Anleitungen beschrieben, in der Reservier- und Bossiertechnik verziert werden.


AB16AB17

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Hier noch ein paar Anregungen für andere Muster, die mit Lochschablonen gezeichnet werden können.

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