1. Kurzfassung
Die Ätztechnik ist zwar älter als die Kratztechnik, jedoch in der Niederlausitz am wenigsten verbreitet. Dabei ist auch bei ihr nur ein sehr geringer Materialaufwand notwendig. Die Ornamente werden hier in die einfarbig und nicht zu stark gefärbten Eier mit einer Säure eingeätzt. Verzierte man früher mit einem angespitzen Gänsefederkiel und Sauerkrauttunke, so ist sind es heute Stahlschreibfedern und verdünnte Salz- (HCl), Essig-, Salpeter- (HNO3, Scheidewasser) oder Zitronensäure. Durch die auseinanderfließende Säure entstehen bei dieser Technik weiche, leicht ausgefaserte Konturen.
Auf das nicht zu kräftig gefärbte Ei werden die Ornamente mit der Feder so nachgezogen, dass ein dünne Spur der Säure auf dem Ei verbleibt. Nach einigen weiteren Strichen (ca. 5 sec.) muss die Säure mit einem weichen und feuchten Lappen wieder entfernt werden, da sie sich sonst zu sehr in die Breite frisst. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis die Ornamente weiß genug erscheinen. Mit viel Übung lassen sich auf diese Art auch sehr feine Muster mit verschiedene Farbnuancen erzeugen.



 
2. Vorteile:

Nachteile:

 
3. Das wird benötigt

 
 
4. Vorbereitung
Zunächst sollte man sich über die verwendete Säure im Klaren sein. Je stärker, desto schneller wird die Farbe weggeätzt aber umso stärker verlaufen die Linien auch. Für Kinder empfiehlt sich Zitronensaft oder 20-25ige Essigessenz. Aber schon diese sollte nicht in die Augen spritzen! Höherprozentige Essigsäure ist schon schwerer zu beschaffen, funktioniert dann aber auch besser. Deren Dämpfe werden allerdings noch stechender. Besser, aber noch schwieriger zu beschaffen, ist Salzsäure. Salpetersäure würden wir nicht oder nur in stärkerer Verdünnung empfehlen, da diese Säure bereits so aggressiv ist, das sie sogar Silber zerfrißt! Mit den Konzentrationen sollte ein wenig experimentiert werden. Wir haben leider keine Erfahrungen damit und können auch keine Tipps geben. Nicht zu vergessen ist im Hinblick auf die Konzentration der Säure auch die Haltbarkeit der Stahlfedern. Je stärker die Säure desto schneller fangen sie an zu rosten. Gerade bei feinen Federn ist so schnell die Spitze zerstört. Zunächst sollte lieber mit einer geringen Konzentration begonnen (3-5%) und bei Bedarf langsam gesteigert werden.
Als Farbe eignen sich alle Farben soweit sie einen guten Kontrast bieten und die Eier nicht zu stark gefärbt werden. Trotzdem sollte wie bei der Reservetechnik die Farbkonzentration im Gegensatz zur Beschreibung verdoppelt werden, um die Färbezeit zu verkürzen und dunklere Farben zu erhalten. Die Zugabe von etwas Essig (ca. 1-2 Eßlöffel 10%igen Essig auf 250 ml Farblösung) führt zu einem intensivieren Farbton.
Nicht zuletzt sollte man auch eine Feder zum Aufbringen der Säure besitzen. Das kann eine größere Vogelfeder von den Flügeln und vom Schwanz sein oder ein Federhalter mit feiner (oder auch breiterer) Stahlfeder aus einem Schreibwarengeschäft. Sie sollten sich aber im Klaren sein, dass die Haltbarkeit der Federn aus den oben genannten Gründen beschränkt ist. Trotzdem bieten sie auf Grund der unterschiedlichen Breiten und des gleichmäßigeren Auftrags einige Vorteile. Die Vorteile der Vogelfedern liegen in ihrer Haltbarkeit und billigen Anschaffung (Nachteil: sie klecksen schneller). Um sie für das Aufbringen der Säure vorzubereiten, wird mit einer scharfen Schere (evtl. Skalpell oder Rasierklinge) der Kiel im noch hohlen unteren Bereich wie auf der Grafik schräg abgeschnitten. Dabei haben Scheren jedoch den Nachteil, das der Kiel stark zusammengedrückt wird und brechen kann. Am Schluss kann die Spitze wenige Millimeter tief angeschlitzt werden (wie z.B. bei Füllfederhaltern), damit die Flüssigkeit problemlos abfließt. Häufig klaffen danach die Enden etwas auseinander, so dass die Spitze nochmals gekürzt werden muß. Mit einer farbigen Flüssigkeit kann man die Spitze testen. Wir halten die Feder mit der Öffnung des Kiels nach oben, so dass sich im oben liegenden Hohlraum die Tinte befindet und zur Spitze abfließen kann. Ist der Strich zu breit, wird noch etwas angespitzt, ist der Strich zu schwach oder kratzt die Feder zu stark, kann mit einer feinen Schere, auf Sandpapier, Abziehsteinen u.ä. die Spitze etwas abgerundet werden.


 
5. So wird's gemacht:
 
a) Färben
Für die Ätztechnik werden die Eier nicht so kräftig gefärbt wie für die Katztechnik. Je dunkler und intensiver die Farbe desto schwieriger wird es, selbige wieder wegzuätzen. Allerdings ist auch der stärkere Kontrast dunklerer Farben besonders reizvoll. Für schwache Säuren (Kinder) empfehlen sich daher auch nur Lebensmittelfarben (z.B. handelsüblich Ostereierfarben), die leicht wieder abzuätzen sind. Da bei dieser Technik kein Wachs nötig ist, kann man die Eier auch im kochenden Sud färben.
Ausgeblasene Eier kann man entweder mit Farbe volllaufen lassen oder die Löcher vor dem Färben mit Wachs verschließen (siehe Reservertechnik). Allerdings zieht die erste Variante eine lange Trockenzeit und manchmal auch Flecken durch Poren in der Schale nach sich und die zweite einen hellen Rand um das Loch. Außerdem müssen verschlossene Eier ständig mit einem kleinen Gewicht (z.B. Gläschen) untergetaucht werden, oder man muss sie ständig im Farbsud drehen oder benetzen. Werden die Eier erst nach dem Färben ausgeblasen, resultieren daraus häufig ebenfalls helle, verwaschene Ränder um das Loch.
Ist man einmal am Färben, bietet es sich an, gleich einen kleinen Vorrat an gefärbten Eiern anzulegen Auf diesen kann man bei Gelegenheit immer schnell zurückgreifen, ohne wieder zum Farbtopf greifen zu müssen.

 
b) Vorzeichnen
Die hohe Symmetrie und geometrischen Verzierungen der sorbische Ostereier finden sich auch in dieser Technik wieder. Nur wenige Profis schaffen solche Ornamente frei Hand auf das Ei zu bringen. Wir zeichnen daher mit einem mittelweichem spitzen Bleistift zunächst dünn (später schlecht entfernbar) die Mittellinie (also den "Äquator") vor und versuchen dann das Ei mit Senkrechten zu vierteln (dritteln, fünfteln etc.). Zum Anfang wird man sicherlich häufiger zum Radiergummi greifen müssen, aber Übung macht den Meister. Ist man sich über das Muster im Klaren, kann man auch schon einige Hilfslinien dazu aufzeichen - hier auf einem weißen Ei angedeutet. Zeichnet man vor dem Färben vor, lohnt es sich allerdings nur, wenn die Eier nicht allzu stark gefärbt werden, denn die dunklen Farben überdecken die schwachen Bleistiftstriche vollständig. Sie werden aber schnell merken, dass schöne Muster auch dann entstehen, wenn man sie vorher nicht exakt plant.

 
c) Das Ätzen
Hat man nicht vorgezeichnet, versucht man günstigerweise von einem zentralen Punkt aus das Muster aufzubauen. Das kann das Ausblasloch oder ein Punkt in der Äquatorebene sein.
Bei dieser Technik findet man häufig stilisierte (vereinfachte Abbildungen von Blüten etc.) Muster, geschwungene Ornamente und Schriftzüge mit Glückwünschen oder alten Sprichwörtern.
Die Säure wird mit der Feder auf das gefärbte und völlig fettfreie Ei aufgebracht und nach wenigen Sekunden mit dem feuchten Lappen wieder abgetupft. Dabei wird je nach Stärke der Säure und deren Einwirkzeit mehr oder weniger viel der Farbe mit abgelöst. Je kürzer die Einwirkzeit desto feiner die Linien aber desto öfter muss man an derselben Stelle wieder neue Säure auftragen. Dieses Auftragen und Abwischen der Säure wird so oft wiederholt, bis die Verzierungen weiß genug erscheinen.
Um die Hände vor der Säure und das Ei vor Fingerabdrücken und Fett (Säure kann an fettigen Stellen nicht wirken!) zu schützen, empfielt sich die Verwendung von Latex- oder Vinylhandschuhen oder zumindest Fingerlingen.
Um die Haltbarkeit der Feder zu verlängern kann man sie bei kleineren Pausen im Wassergefäß abspülen.

 
d) Nachbehandlung
Um den Eiern einen seidigen Glanz zu geben, kann man nach Abschluss der Arbeiten das Ei mit etwas Speck oder einem mit etwas Öl benetzten Lappen abreiben. Für Hochglänzende Eier kann das Ei auch mit Klarlack überzogen werden.

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