1. Kurzfassung
Die Kratz- oder Ritztechnik besticht durch die filigranen Ornamente und den geringen technischen Aufwand, da neben einem Farbtopf nur ein spitzer Gegenstand benötigt wird. Dafür erfordert sie viel Geduld (etwa 4 Stunden werden zum Verzieren eines Eies benötigt), Übung und eine ruhige Hand. Außerdem stellt diese Technik hohe Ansprüche an die verwendeten Eier. Sie sollten eine feste Schale und eine glatte Oberfläche ohne Kalkspritzer aufweisen. Zunächst wird das Ei kräftig gefärbt. Mit einem spitz geschliffenen Gegenstand (z.B. Messer) werden nun die Ornamente auf das Ei gekratzt, wobei unter der Farbschicht die weiße Eischale zum Vorschein kommt. Durch Variation des Druckes lassen sich sogar verschiedene Farbnuancen erzeugen. Wir verwendetenn diese Technik bisher in Kombination mit der Reserve- und/oder der Bossiertechnik, um besondere Muster zu verwirklichen.



 
2. Vorteile:

Nachteile:

 
3. Das wird benötigt:

 
 
4. Vorbereitung
Bei dieser Technik hängt das Gelingen wesentlich von dem Kratzwerkzeug ab. Dabei sind prinzipiell erst mal alle spitz-/scharfgeschliffenen Gegenstände (Messer, Nägel, Schrauben, Nadeln, Feilen, Bohrer etc.) geeignet. Für das grobe Schleifen bietet sich Schleifmaschienen an, für den Feinschliff jedoch Abziehsteine oder feines Sandpapier. Die verwendeten Gegenstände sollten gut in der Hand liegen, um auch nach längerer Zeit nicht zu verkrampfen. Dazu kann man einen Nagel oder eine Nadel z.B. in einen Holzstab stecken. Wir verwendeten zunächst ein langes Obstmesser, welches sowohl für schmale Striche als auch für flächiges Schaben geeinet war. Allerdings ermüdete das lange Halten der glatten Klinge und es musste öfter nachgeschliffen werden. Heute nehmen wir eine spitz und eine flächig geschliffene kleine Dreikantfeile. Durch die Form kann man sie gut halten und auf der geriffelten Oberfläche rutscht man nicht ab.
Für einen guten Kontrast zu den hellen Ornamenten bietet sich eine dunkle Farbe an. Allerdings besteht durch das lange Halten des Eies die Gefahr, dass sich die Farbe abgreift. Daher bietet sich hier die Verwendung von kräftigen Stoffmal- oder Batikfarben bzw. Beizen an. Sie sind intensiver im Färben und halten wesentlich besser. Dabei sollte wie bei der Reservetechnik die Farbkonzentration im Gegensatz zur Beschreibung verdoppelt werden, um die Färbezeit zu verkürzen und dunklere Farben zu erhalten. Die Zugabe von etwas Essig (ca. 1-2 Eßlöffel 10%igen Essig auf 250 ml Farblösung) intensiviert den Farbton manchmal beträchtlich. Da bei dieser Technik kein Wachs nötig ist, kann man die Eier aber auch im kochenden Sud färben.


 
5. So wirds gemacht:
 
a) Färben
Für Eier die durch Kratzen verziert werden sollen, bieten sich, wie bereits erwähnt, kräftige Stoff-/Batikfarben und Beizen an. Wir verwenden z.B. ein kräftiges Rot, Violett, Blau oder Schwarz. Verwendet man ausgeblasene Eier, kann man sie entweder mit Farbe volllaufen lassen oder die Löcher vor dem Färben mit Wachs verschließen (siehe Reservertechnik). Allerdings zieht die erste Variante eine lange Trockenzeit nach sich und die zweite einen hellen Rand um das Loch. Werden die Eier erst nach dem Färben ausgeblasen, resultieren daraus häufig ebenfalls helle verwaschene Ränder um das Loch.
Ist man einmal am Färben, bietet es sich an, gleich einen kleinen Vorrat an gefärbten Eiern anzulegen. Auf diesen kann man bei Gelegenheit immer schnell zurückgreifen, ohne wieder zum Farbtopf greifen zu müssen.
Ohne Färben geht es, wenn farbige Eier verwendet werden. So legen Nandus z.B. lila-blaufarbene Eier die zwar sehr groß sind (und sehr teuer sind), aber auch eine entsprechend feste Schale haben. Auch bei braunen Eiern ist Kratzen möglich, denn unter der braunen Hülle kommt ebenfalls der helle Kalk hervor. Allerdings muß man wesentlich stärker als bei gefärbten Eiern aufdrücken und wird nur mit schwachen Kontrasten belohnt. Daher kann diese Variante zwar ganz einfach (kleines Küchenmesser + braunes Ei) einen ersten Eindruck vermitteln, aber dieser entspricht nicht unbedingt dem, den man bei der Verwendung gefärbter Eier bekommt.

 
b) Vorzeichnen
Die hohe Symmetrie und geometrischen Verzierungen der sorbische Ostereier finden sich auch in dieser Technik wieder. Nur wenige Profis schaffen solche Ornamente völlig frei Hand auf das Ei zu bringen. Wir zeichnen daher mit einem mittelweichem spitzen Bleistift zunächst dünn (später schlecht entfernbar) die Mittellinie (also den "Äquator") vor und versuchen dann das Ei mit Senkrechten zu vierteln (dritteln, fünfteln etc.). Zum Anfang wird man sicherlich häufiger zum Radiergummi greifen müssen, aber Übung macht den Meister. Ist man sich über das Muster im Klaren, kann man auch schon einige Hilfslinien dazu aufzeichen - hier auf einem weißen Ei angedeutet. Zeichnet man vor dem Färben vor, lohnt es sich allerdings nur, wenn die Eier nicht allzu stark gefärbt werden, denn die dunklen Farben überdecken die schwachen Bleistiftstriche vollständig. Sie werden aber schnell merken, dass schöne Muster auch dann entstehen, wenn man sie vorher nicht exakt plant. Bei floralen Motiven reichen oft schon wenige Orientierungspunkte.

 
c) Kratzen
Da bei dieser Technik das Vorzeichnen nicht oder nur sehr schlecht möglich ist (man sieht nur einen leichten metallischen Glanz auf dem dunklen Ei), kann man auch von einem zentralen Punkt aus das Muster aufbauen. Das kann das Ausblasloch oder ein Punkt in der Äquatorebene sein. Bevor man anfängt sollten jedoch die gefärbten Eier gut durchgetrocknet sein, um Flecken durch das Anfassen zu verhindern.
Meist findet man bei dieser Technik stilisierte (vereinfachte Abbildungen von Blüten etc.) oder naturalistische (Abbildungen von Blüten, Tieren u.a.) Muster und auch Schriftzüge mit Glückwünschen oder alten Sprichwörtern. Die Spitze wird mit soviel Druck über das Ei geführt, das das kratzende Geräusch deutlich zu höhren ist und auch der Abtrag der oberen Schalenschicht zu sehen ist. Zu weiche Kratzgeräte schaffen es dabei häufig nicht, das Ei tief genug einzuritzen. Ist der Druck jedoch zu stark, kann es schnell passieren, dass die Spitze die Schale durchstößt. Etwas Übung gehört dazu, um ein Fingerspitzengefühl für den richtigen Druck und das richtige Werkzeug zu finden. Mit etwas Übung ist es über eine Variation des Druckes möglich, verschiedene Farbnuancen zu erzeugen. Die Muster sollten bei der Kratztechnik sehr akurat ausgeführt werden, da durch den starken Kontrast jeder Ritzer sehr gut zu sehen ist.
Da das Ei bei der Bearbeitung lange Zeit in der Hand liegt, sollte man das Ei vor dem aggressiven Schweiß schützen. Dazu kann das Ei in einer Serviette gehalten oder ein (Gummi-)Handschuh getragen werden.
Wir verwenden diese Technik wegen ihres hohen Zeitaufwandes jedoch kaum und können daher hier auch nur wenige Muster oder Bilder vorstellen.

 
d) Nachbehandlung
Die Nachbehandlung bei dieser Technik beschränkt sich auf Einreiben des Eies mit etwas Speck oder einem mit etwas Öl benetzten Lappen wenn ein seidiger Glanz, bzw. dem Lackieren mit Klarlack wenn Hochglanz gewünscht wird.

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